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Weiterlernen: Welche Cocktailbücher etwas taugen – und wie man Rezepte richtig liest

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Weiterlernen: Welche Cocktailbücher etwas taugen – und wie man Rezepte richtig liest

Es gibt einen Punkt, an dem das nächste Rezept nichts mehr bringt. Man kennt zwanzig Drinks, versteht das Grundprinzip, und statt einer weiteren Anleitung möchte man eigentlich wissen, warum die Dinge so gemacht werden.

Ab da wird Barliteratur interessant. Sie ist allerdings unübersichtlich: Zwischen Coffee-Table-Bänden mit schönen Fotos und ernsthaften Nachschlagewerken liegen Welten, und die Umschläge sehen sich zum Verwechseln ähnlich.

Deshalb hier eine Sortierung nach Zweck statt nach Rangfolge – und vorweg der Hinweis, dass es sich um die bekannten Standardwerke handelt, nicht um eine erschöpfende Liste.

Die historischen Quellen

Jerry Thomas, „How to Mix Drinks" (1862). Das erste bekannte Barbuch überhaupt. Interessant weniger als Rezeptsammlung – die Mengen sind für heutige Verhältnisse kaum brauchbar – als für das Verständnis, wie die Getränkefamilien ursprünglich sortiert waren. Mehr zum historischen Kontext in unserem Artikel über die Definition des Cocktails.

„The Savoy Cocktail Book" (1930). Die Sammlung des Barkeepers der Londoner American Bar im Savoy, entstanden in der Zeit, in der amerikanische Bartender wegen der Prohibition nach Europa auswanderten. Es ist das Buch, in dem viele der Klassiker in ihrer bis heute gültigen Form auftauchen.

Beide sind gemeinfrei und in digitalen Archiven kostenlos einsehbar. Wer historische Rezepte nachschlagen will, braucht dafür kein Geld auszugeben.

Die modernen Standardwerke

David Wondrich hat mit seinen Büchern zur Geschichte des amerikanischen Barwesens und zur Punschtradition die historische Forschung populär gemacht. Wer wissen will, woher ein Drink kommt und was daran Legende ist, findet hier die sorgfältigste Arbeit.

Gary Regan, „The Joy of Mixology". Bekannt geworden vor allem für den Versuch, Cocktails nicht alphabetisch, sondern nach ihrer Struktur zu ordnen – also nach Familien statt nach Namen. Für das Verständnis, wie Drinks zusammenhängen, ist das bis heute einer der besten Zugänge.

Die Bücher des Death-&-Co-Umfelds. Die New Yorker Bar hat mit ihren Bänden – zuerst als Rezeptsammlung, später mit einem Werk, das Drinks aus sechs Grundvorlagen ableitet – die Systematik moderner Barbücher geprägt. Wer eigene Drinks bauen will, findet dort die brauchbarste Methodik.

Dave Arnold, „Liquid Intelligence". Das Buch für alle, die es genau wissen wollen: Verdünnung, Temperatur, Kohlensäure, Klärung – gemessen statt behauptet. Kein Einsteigerbuch, aber die Referenz, wenn man einer Faustregel auf den Grund gehen will.

Deutschsprachig ist die Auswahl schmaler. Als Nachschlagewerke etabliert sind die Bände von Charles Schumann sowie die „Cocktailian"-Reihe, die Warenkunde und Rezepte verbindet.

Ein Hinweis zur Sorgfalt: Erscheinungsjahre und Ausgaben unterscheiden sich teils erheblich, gerade bei den älteren Titeln mit ihren zahlreichen Neuauflagen. Wenn dir eine bestimmte Ausgabe wichtig ist, prüf sie vor dem Kauf.

Online: Was taugt, was nicht

Die Faustregel lautet: Quellen, die ihre Rezepte begründen, sind besser als Quellen, die sie nur auflisten.

Brauchbar sind Datenbanken mit Herkunftsangaben zu jedem Rezept, redaktionelle Magazine mit echten Autoren und die digitalen Archive historischer Barbücher. Weniger brauchbar sind Rezeptseiten ohne Angabe, woher eine Rezeptur stammt – dort kursieren Zahlendreher und Abschreibfehler seit Jahren unkorrigiert weiter.

Ein guter Test: Steht bei einem Klassiker dabei, aus welchem Buch oder von welcher Bar die Version stammt? Wenn ja, hat sich jemand Mühe gegeben.

Warum dasselbe Rezept überall anders aussieht

Das ist die häufigste Verwirrung für Einsteiger – und sie hat mehrere handfeste Gründe.

Maßeinheiten. Amerikanische Quellen rechnen in Unzen (knapp 30 ml), britische historische Quellen manchmal in Gills oder Teilen. Wer eine Unze mit 25 ml übersetzt, baut einen anderen Drink.

„Parts" statt Milliliter. Viele Rezepte arbeiten mit Verhältnissen: zwei Teile Gin, ein Teil Zitrone. Das ist bewusst so, weil sich die Menge skalieren lässt – aber es setzt voraus, dass man selbst über die Portionsgröße entscheidet.

Zeitgeschmack. Rezepte des 19. Jahrhunderts sind für heutige Gaumen oft zu süß, die der 1970er zu süß und zu bunt. Eine Rezeptur ist immer auch ein Dokument ihrer Zeit.

Hausversionen. Jede Bar justiert Klassiker nach eigenem Sirup, eigener Zitrusqualität und eigenem Eis. Es gibt bei den meisten Drinks keine kanonische Fassung, sondern eine Bandbreite.

Praktisch heißt das: Nimm ein Rezept als Vorschlag, nicht als Vorschrift, und schmeck ab. Wie man das systematisch macht, steht im Abschmeck-Guide. Und wenn dir in einem Rezept Begriffe begegnen, die niemand erklärt, hilft unser Barglossar.

Womit anfangen?

Wenn du dir ein einziges Buch kaufst, sollte es keines mit tausend Rezepten sein, sondern eines, das Strukturen erklärt. Rezepte findest du kostenlos überall; die Systematik dahinter findest du fast nur in Büchern.

Und wenn du gar nichts kaufen willst: Lies ein gemeinfreies historisches Barbuch im Archiv und such dir zehn Drinks heraus, deren Namen du nicht kennst. Das ist der billigste Weg, den eigenen Horizont zu erweitern – und der unterhaltsamste.

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